Zur Kunst von August Pigulla

 

"Alles, was transparent und lichtdurchflutet ist, fasziniert mich", sagt August Pigulla über seine Arbeit.

Eine zweite wichtige Quelle für ihn sind die Farben. Als transparentes Medium führen sie ihn ebenfalls zu der Auseinandersetzung mit Glas hin. Ein Bericht über Gustav Fünders führt bei Pigulla zu dem Entschluss, selbst Glasgestalter zu werden. Doch sein seit Ende der 1950er Jahre entstandenes umfangreiches Werk zeigt, dass er sich immer wieder auf die Suche nach neuen Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung begeben hat. Bereits während seines Studiums an der Krefelder Werkunstschule in der berühmten Klasse für Glasmalerei und Mosaikgestaltung bei Fünders, experimentiert er mit Glascollagen und Reliefs.

Während diese Beschäftigung eng mit den Mosaikarbeiten verbunden ist, entstehen ab den frühen 1970er Jahren auch schlichte Skulpturen aus geschichtetem Glas.

Einen Schwerpunkt in Pigullas Schaffen nehmen seine Entwürfe für Kirchenfenster ein, die er stets in engem Kontext zu der umgebenden Architektur gestaltet. So korrespondieren die intensiv roten Glasscheiben eines zwölf Meter hohen und nur 1,50 Meter schmalen Altarfensters für die Abtei in Meschede mit den ziegelroten Klinkerwänden roten Backsteins.

Nicht nur für Kirchenräume gestaltet er auch mehrere Wandmosaike, bei denen er mit Naturstein und Glassmalten arbeitet. So entsteht 1965 für das damalige Krefelder Hauptzollamt ein bis heute erhaltenes großflächiges Giebelwandmosaik in Schwarzweiß.

Seit den sechziger Jahren arbeitet Pigulla auch mit Metall. Wandreliefs aus Titanzink, liturgisches Inventar für zeitgenössische Kirchen und große Skulpturen aus Edelstahl gehören dieser Werkgruppe an.

Eine eigenständige Bedeutung kommt der Zeichnung zu. Neben reinen Entwurfszeichnungen gibt es zahlreiche Skizzentableaux. Es sind zeichnerische Miniaturen, die mit ihrem feingliedrigen Gewebe aus Strichen, Linienbündeln und Flecken rhythmische Formationen sichtbar machen. Dabei lassen sie auch eine besondere Musikalität erkennen, die sich auch in den gestalteten Arbeiten wiederfindet.

Die Zeichnung führt direkt zur jüngsten Werkgruppe des Künstlers, mit der er sich bis heute beschäftigt. Es sind die thermischen Gravuren, bei denen mit einem Lötkolben vielfältige Strukturen in Acrylglas eingebrannt werden.

Pigullas Kunst zeichnet von Beginn an eine experimentelle Offenheit aus, die verbunden mit strukturellen Methoden zu diesem vielseitigen Werk geführt haben. Paul Wember, der ehemalige Direktor des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums, hat es einmal so formuliert:

"August Pigulla ist ein ewig Suchender in der unendlichen Formenwelt."

Michaela Plattenteich M.A.